Bliss Balls. Klingt nach Achtsamkeits-Retreat und 40 Euro im Bioladen. Sind aber: Datteln, zu Kugeln gerollt. Deine Oma nannte das Konfekt und hat kein Foto davon gemacht.
Willkommen beim liebsten Spiel des Internets: Nimm etwas völlig Banales, gib ihm einen englischen Namen, und plötzlich ist es ein Trend. Wir bei Best Break machen da fröhlich mit – auch bei uns rollen „Bliss Balls“ durchs Sortiment, gleich neben den ehrlichen Dattelpralinen. Deshalb dachten wir: Zeit für ein kleines Wörterbuch. Nicht, weil die Sachen schlecht wären – die meisten sind großartig. Sondern weil es manchmal einfach schöner ist, zu sagen, was drin ist.
Das kann jede Oma
Die erste Kategorie ist die ehrlichste: uralte Küchenklassiker, frisch lackiert.
Overnight Oats sind kalt eingeweichte Haferflocken. Das war es. Man kippt Hafer in Milch, stellt ihn über Nacht in den Kühlschrank, und am Morgen ist er weich. Früher hieß das Porridge – man hat ihn nur warm gemacht.
Chia Pudding ist keine Zubereitung, sondern Physik: Chiasamen quellen in Flüssigkeit auf. Du „kochst“ hier ungefähr so viel wie ein Schwamm, der nass wird.
Nice Cream ist gefrorene, pürierte Banane. Eine Zutat. Kein Zucker, keine Sahne, kein Geheimnis – nur eine Banane, die sich Mühe gibt. Übrigens: Unsere eigene Nice Cream heißt natürlich auch Nice Cream und nicht „gefrorene Banane“. Wir sind auch nur Menschen.
Golden Milk ist Milch mit Kurkuma. Sie ist gelb. Daher der Name. Ehrlicher wäre „gelbe Milch“, aber das verkauft sich schlechter.
Panne oder Absicht?
Die zweite Kategorie ist unser Favorit: Gerichte, die eigentlich ein kleiner Küchenunfall sind – nur besser vermarktet.
Ein Lava Cake ist ein Brownie, den du rechtzeitig aus dem Ofen geholt hast, bevor die Mitte durch war. Der flüssige Kern ist keine Kochkunst, sondern roher Teig – nur hat jemand beschlossen, das nicht „misslungen“, sondern „lava“ zu nennen.
Smoothie Bowl: ein Smoothie, der zu dick geraten ist. Statt ihn zu trinken, isst man ihn mit dem Löffel und tut so, als wäre das von Anfang an der Plan gewesen.
Deconstructed [irgendwas]: das Gericht, aber nicht zusammengebaut. Auf der Speisekarte klingt „dekonstruiertes Tiramisu“ nach Avantgarde. Auf dem Teller sind es Kekse, Creme und Kakao, die sich nie begegnet sind.
Zoodles: Zucchini, durch den Spiralschneider gedreht. Sie tut so, als wäre sie Pasta, und alle tun so, als würde man es nicht merken.
Neu 2026, schon durchschaut
Frische Ware aus den Feeds dieses Jahres – die Masche bleibt dieselbe.
Der „Japanese Cheesecake“, der gerade durch alle Feeds geht, ist eine Schüssel Joghurt mit Puddingpulver und ein paar Keksbröseln. Cheesecake ohne Käse, ohne Backen, ohne Cake – eine bemerkenswerte Leistung, die kein einziges Wort im Namen einhält.
Der Banana Bread Latte – von manchen liebevoll „BBL“ abgekürzt – ist Kaffee mit zerkochter Banane, Zucker und Zimt. Man kocht also erst eine Banane ein, um sie dann in Kaffee zu rühren. Der Aufwand ist beachtlich, das Ergebnis heißt: brauner Kaffee.
Und der Gipfel der Kategorie „ist das noch ein Rezept“: das virale Rotisserie-Chicken-Dingens, bei dem man Reis, Frühlingszwiebeln und Gewürze in eine zusammengedrückte Tüte Grillhähnchen kippt. Der einzige Arbeitsschritt ist „Tüte quetschen“.
Und die Moral?
Keine, ehrlich gesagt. Iss deine Bliss Balls, rühr deinen BBL, frier deine Banane ein – all das ist lecker, schnell und macht Spaß. Uns geht es nicht um die Rezepte, sondern um die Sprache drumherum. Denn das Schöne an gutem Essen ist ja: Es muss sich nicht größer machen, als es ist. Ein Dattelbällchen schmeckt kein bisschen schlechter, nur weil man es Dattelbällchen nennt.
Zum Beweis findest du unten drei Rezepte – zwei davon liebe alte Bekannte (ja, auch mit englischem Namen), und eines mit dem ehrlichen Was-ist-das gleich im Titel.
In der Kürze liegt die Würze
- Viele Food-Trends sind Alltagsklassiker mit englischem Namen – der Kern bleibt banal.
- Overnight Oats = eingeweichter Hafer, Nice Cream = gefrorene Banane, Lava Cake = zu früh geholter Brownie.
- Alles trotzdem lecker – sag einfach, was drin ist, dann schmeckt es genauso gut.






